Her­berg­su­che 2010
 
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Herbergsuche 2010

(@josef)

Krip­pen sind wunderbar.
Krip­pen brin­gen uns das bibli­sche Gesche­hen nahe.
Des­halb gibt es Heimatkrippen.
Aber leben wir noch in der bäu­er­li­chen Kul­tur unse­rer Krippen?
Wir leben in einer Dienstleistungsgesellschaft.
Wer heu­te eine Her­ber­ge sucht, blät­tert im Immo­bi­li­en­teil der Tageszeitung.
Zahlt Pro­vi­sio­nen an den Makler.
Nimmt womög­lich Belas­tun­gen auf sich, die er nicht tra­gen kann.

Die Her­berg­su­che 2010 ist nicht roma­tisch. Im digi­ta­len Bil­der­rah­men im Hin­ter­grund wech­seln sich tra­di­tio­nel­le wun­der­schö­ne Krip­pen mit Bil­dern von boat­peop­le und Hart­zIV-Emp­fän­gern ab…

Doch. Ich lie­be auch die Krip­pen, die wir alle kennen.
Ich glau­be aber, dass die Krip­pe sich wei­ter ent­wi­ckeln muss, wenn sie die­Funk­ti­on in unser Gesell­schaft behal­ten soll, die sie immer hatte.

Josef

Zitat
The­men­star­ter Ver­öf­fent­licht : 1. Febru­ar 2010 22:41
(@mathias)
Mode­ra­tor

Die Her­berg­su­che 2010 ist nicht roma­tisch. Im digi­ta­len Bil­der­rah­men im Hin­ter­grund wech­seln sich tra­di­tio­nel­le wun­der­schö­ne Krip­pen mit Bil­dern von boat­peop­le und Hart­zIV-Emp­fän­gern ab…

Doch. Ich lie­be auch die Krip­pen, die wir alle kennen.
Ich glau­be aber, dass die Krip­pe sich wei­ter ent­wi­ckeln muss, wenn sie die­Funk­ti­on in unser Gesell­schaft behal­ten soll, die sie immer hatte. 

Das ist ein inter­es­san­tes Argu­ment: War­um muss sich die Krip­pe wei­ter­ent­wi­ckeln? Hat sie frü­her das Elend, das es auch auf Bau­ern­hö­fen – oder ganz all­ge­mein – gab, the­ma­ti­siert? Gibt es dafür Bei­spie­le? Sol­len Krip­pen zur Sozi­al­dis­kus­sio­nen anre­gen? Oder eher dem Jesus­kind Gebor­gen­heit in unse­rem Heim geben, auch auf die Gefahr einer Idea­li­sie­rung der Realität?

Ich glau­be aller­dings auch, dass sol­che Dar­stel­lung ihre Brech­ti­gung haben (sie­he zum Bei­spiel die Geschich­te von Mar­tin, der in einem unse­rer Kur­se eine ganz moder­ne Krip­pe gebaut hat. Lei­der habe ich davon gera­de kein Bild zur Hand. Schön ist dabei auch, dass sich ein Jugend­li­cher sol­che Gedan­ken macht, wenn er eine Krip­pe baut.

Freue mich über ergie­bi­ge Dis­kus­sio­nen zu die­sem Thema!

Mathi­as

Ant­wortZitat
Ver­öf­fent­licht : 2. Febru­ar 2010 20:24
(@josef)

Hal­lo lie­ber Mathias,

nein ich glau­be nicht, dass Krip­pen pro­vo­zie­ren oder sozia­le Miß­stän­de anpran­gern sol­len. Sie wol­len uns nur mit hin­ein­neh­men mit­ten ins hei­li­ge Gesche­hen. Damit wir auch anbe­ten und mit­er­le­ben kön­nen, wie die Hir­ten, die Weisen, .…

Des­halb haben die rei­chen Nea­po­li­ta­ner ihr Nea­pel dar­ge­stellt und als die Krip­pen unter Kai­ser Joseph die Kir­chen und Klös­ter ver­las­sen muss­ten, ent­stand die Hei­mat­krip­pe. Und Hei­mat, das war die bäu­er­li­che Kul­tur unse­rer Hei­mat. Aber die bäu­er­li­che Kul­tur gibt es nur noch wenig gegen­über frü­her. Auch die Arbei­ter­kul­tur ist nicht mehr die Wirk­lich­keit der Mehr­heit von uns. Wir leben in einer Dienst­leis­tungs­ge­sell­schaft. Die Bil­der haben sich geän­dert. Wir suchen unse­re Her­ber­ge nicht mehr beim Wirt in der Gas­se. Wir suchen in den Immo­bi­li­en­an­zei­gen der Zei­tun­gen und Ban­ken. Die Zurück­wei­sung („… Göid regiert die Wöid…“) ist die glei­che wie in Beth­le­hem. Aber sie ist nicht die Haupt­sa­che, son­dern Maria und Josef und Jesus sind es.

Wir haben uns dar­an gewöhnt und ich glau­be, dass die Krip­pe, wenn wir sie nicht wei­ter­ent­wi­ckeln in unse­re Gegen­wart mit ihren Bil­dern und Erfah­run­gen hin­ein, Gefahr läuft etwas Deko­ra­ti­ves zu wer­den und nicht mehr die Pro­jek­ti­on unse­rer reli­giö­sen Empfindung. 

Der Gedan­ke, dass wir dem Jesus­kind in idea­li­sier­ter Form eine Hei­mat in „schö­nen“ Krip­pen geben, hat natür­lich auch etwas Berü­cken­des und Berüh­ren­des, das geb‘ ich ger­ne zu. Denn wir leben ja nicht in einer „objek­ti­ven“ Wirk­lich­keit, son­dern in der Wirk­lich­keit, unse­resr Welt, wie wir sie uns schaf­fen – in unse­rem Kopf und Herzen.

Vie­le Grüße

Josef

Ant­wortZitat
The­men­star­ter Ver­öf­fent­licht : 7. Febru­ar 2010 20:17