Kakteen für die Krippe

Für ein stim­mi­ges Gesamt­bild einer Krip­pe sind nicht nur die gro­ßen, son­dern ganz beson­ders die klei­nen Objek­te, Gegen­stän­de, Figu­ren wich­tig, z.B. auch Kak­teen. Sowohl hei­mat­li­che als auch ori­en­ta­li­sche Krip­pen brau­chen dafür geeig­ne­te Pflan­zen – „Krip­pen­bo­ta­nik“ eben. In die­ser Anlei­tung möch­te ich dem inter­es­sier­ten Krip­pen­bau­er eine beson­de­re Krip­pen­pflan­ze nahe brin­gen: den „Kür­bis­kak­tus“. Ohren­kak­teen ste­hen im Hei­li­gen Land zum Teil in sehr dich­ten und gro­ßen Fel­dern in der Halb­wüs­te und am Ran­de der Wüs­te, oft auch in der Nähe der Städ­te, wo sie am Weges­rand eine ech­te Gefahr dar­stel­len kön­nen.  Das fol­gen­de Bild wur­de am Ran­de eines Park­plat­zes in Cau­mont in der Pro­vence auf­ge­nom­men. Für die Krip­pe las­sen sich sehr schö­ne Kak­teen mit Hil­fe von Kür­bis­ker­nen herstellen.

Ohrenkakteen
Kak­teen­feld in der Provence

Kakteen aus Kürbiskernen

Kür­bis­ker­ne kann man natür­lich im Reform­haus erwer­ben, man muss nur dar­auf ach­ten, getrock­ne­te, unge­sal­ze­ne Exem­pla­re mit Scha­le zu bekommen.

Viel bil­li­ger ist es dage­gen, sel­ber Kür­bis­ker­ne zu trock­nen. Geeig­net sind die Ker­ne prak­tisch aller ess­ba­ren Kür­bis­se, sie­he fol­gen­des Bild. Ich ver­wen­de am liebs­ten die Ker­ne des deut­schen Spei­se­kür­bis. Der Hok­kai­do­kür­bis hat etwas dicke­re Ker­ne, die sich beson­ders gut für den Kak­teen­bau eig­nen. Man soll­te aber nicht zu klei­ne Kak­teen damit zusam­men­set­zen, sonst wir­ken sie unför­mig. Der Spa­get­ti­kür­bis kann sehr unter­schied­lich gro­ße Ker­ne haben. Ich nut­ze die klei­ne­ren Exem­pla­re ger­ne als obers­tes Ohr.

Kürbiskerne Sorten
Ker­ne ver­schie­de­ner Kür­bis­sor­ten: Hok­kai­do­kür­bis, deut­scher Spei­se­kür­bis, Spagettikürbis

Die Kür­bis­ker­ne las­sen sich gut mit einem Löf­fel aus der Frucht scha­ben. Man kann dies vor oder nach dem Kochen tun, ganz, wie es sich für das Gericht anbie­tet. In jedem Fall muss man die Ker­ne von den sie umge­be­nen Fasern befrei­en und vor dem Trock­nen so gut es geht waschen. Ich brei­te sie dann auf einem mit Küchen­krepp oder Zei­tungs­pa­pier aus­ge­leg­ten Back­blech aus und las­se sie in einer ruhi­gen und gut gelüf­te­ten Ecke min­des­tens zwei Wochen trock­nen. Drau­ßen im Gar­ten eig­net sich nicht, denn bei uns gibt es Eich­hörn­chen … Alter­na­tiv kann man die Ker­ne noch im fri­schen Zustand auf ein Stück Blu­men­draht zie­hen. Im Bild oben ist ganz links ein klei­nes Stück Blu­men­draht mit Ker­nen abge­bil­det. Die­ses hängt man ent­spre­chend gut gelüf­tet zum Trock­nen aus. Aus sol­chen Ket­ten las­sen sich spä­ter sehr sta­bi­le Kak­teen zusam­men­set­zen. Tro­cke­ne Kür­bis­ker­ne wer­den sehr hart und man kann sie dann nicht mehr auf­fä­deln. Nach dem Trock­nen muss man in bei­den Fäl­len die Ker­ne von der dün­nem Eiweiß­hül­le befrei­en, die sich auf den Ker­nen gebil­det hat.

Montieren

Ein Kür­bis­kak­tus besteht aus einer mehr oder min­der ver­zweig­ten Ket­te von Kür­bis­ker­nen. Um die Ker­ne anein­an­der zu befes­ti­gen schnei­tet man zunächst einen klei­nen Teil der Spit­ze ab, so dass man in das Loch ein Drah­ten­de schie­ben kann. Ich ver­wen­de ger­ne 1 – 2 cm Stück­chen von einem Blu­men – Bin­de­draht. Die­ses bil­det den Fuß des Kak­tus­oh­res. Am obe­ren Ende wer­den ein bis zwei Löcher in die Kür­bis­ker­ne gesto­chen, dazu kann man eine Stopf­na­del oder eine Reiß­na­del benut­zen. In die­ses Loch kommt je ein wei­te­res Stück­chen Blu­men­draht und dar­auf fädelt man dann den Fuß des nächs­ten Kür­bis­kerns ein. Damit die Ker­ne fixiert blei­ben, gebe ich einen Trop­fen Heiß­kle­ber auf die Kon­takt­stel­le. Noch bes­ser wird es, wenn man zunächt etwas Kon­takt­kle­ber und dann Heiß­kle­ber ein­setzt. Sol­che Stel­len gehen prak­tisch nie auf, wäh­rend rein mit Heiß­kle­ber fixier­te Kak­teen etwas emp­find­lich sind. Leim eig­net sich nicht für die­se Auf­ga­be, da die Kon­takt­stel­le sehr unför­mig ist und dem Leim prak­tisch kei­ne Kle­be­flä­che zur Ver­fü­gung steht.

Hat man die Ker­ne im fri­schen Zustand auf­ge­fä­delt, so kann man sich einen Teil der Arbeit spa­ren und ein­fach eine Ket­te vor drei oder vier Ker­nen abschnei­den, die Ker­ne dicht zusam­men­schie­ben, den Draht geeig­net bie­gen und die Ker­ne der Ket­te mit etwas Alles­kle­ber oder mit Heiß­kle­ber fixie­ren. Danach bringt man sie in bewähr­ter Wei­se in den Kak­tus ein. Ohren­kak­teen sind auf­fäl­lig flä­chig. Man soll­te also die meis­ten Ker­ne ein­fach par­al­lel auf­ein­an­der set­zen. Beson­ders an Ver­zwei­gun­gen, wo auf einen Kern zwei wei­te­re fol­gen, lockern jedoch ver­dreht ange­brach­te Ker­ne das Bild sehr schön auf. In Bild 3 sind in der lin­ken Hälf­te zunächst zwei vor­be­rei­te­te Ker­ne und als zwei­tes ein fer­tig mon­tier­ter Kak­tus abge­bil­det. Die Mon­ta­ge von Kür­bis­kak­teen ist etwas knif­fe­lig und es bricht schon mal ein Kern wie­der ab. Man soll­te sich davon nicht ent­mu­ti­gen las­sen und beim nächs­ten Mal den Heiß­kle­ber­trop­fen ein­fach etwas grö­ßer wählen.

Kürbisse Arbeitsschritte
Mon­ta­ge und Fas­sen von „Kür­bis­kak­teen“ Arbeits­schrit­te von links: 1. vor­be­rei­te­te Kür­bis­ker­ne, 2. Mon­tier­ter Kak­tus, 3. Fas­sen mit Grund­far­be, 4. Kak­tus mit Sta­cheln, 5. „Sta­cheln“ Fassen

Fassen und Stacheln anbringen

Um den Kür­bis­kak­teen das rich­ti­ge Aus­se­hen zu geben, sind zwei wei­te­re Arbeits­schrit­te nötig. Zuerst muss der Kör­per des Kür­bis gefasst wer­den, anschlie­ßend bring man auf dar­auf die Sta­cheln an. Auf das Gerüst aus Kür­bis­ker­nen strei­che ich dabei zunächst eine Grun­die­rung aus Krei­de und Leim­was­ser, wie man es auch für das Fas­sen von Gebäu­den macht. Nor­ma­les 4:1 Leim­was­ser und etwas Krei­de sind bes­tens geeig­net. Das Leim­was­ser bil­det um die Kür­bis­ker­ne eine Hül­le und sta­bi­li­siert das Gerüst zusätz­lich. Wirk­lich kle­ben tut es wegen der Fett­an­tei­le auf der Kür­bis­kern­scha­le nicht. Danach bema­le ich die grun­dier­ten Ker­ne in Grün­tö­nen mit Disper­si­ons­far­be. Am bes­ten mischt man sich sein Grün aus ver­schie­de­nen grü­nen Abtön­far­ben zusam­men. Ohren­kak­teen sind sehr gleich­mä­ßig gefärbt. Man soll­te daher nur an den Ansät­zen (Füßen) der Ohren etwas dunk­le­re Far­be wählen.

Die Sta­cheln für die Kür­bis­kak­teen wer­den aus Säge­mehl her­ge­stellt, wie man es auch für den Krip­pen­mör­tel von alpen­län­di­schen Krip­pen ein­setzt. Für die Far­be habe ich Sil­ber aus einem Was­ser­mal­kas­ten, wie die Kin­der ihn für die Schu­le ver­wen­den, mit klei­nen Antei­len grü­ner Disper­si­ons­far­be gemischt. Die Far­be wird durch ein Tee­sieb gege­ben, um gro­be Tei­le zu ent­fer­nen, und dann mit einer Sprüh­fla­sche vor­sich­tig auf das Säge­mehl gesprüht. Dabei das Säge­mehl immer wie­der durch­rüh­ren, damit alle Teil­chen von der Far­be benetzt wer­den. Beim anschlie­ßen­den Trock­nen (1 – 2 Tage) bil­det sich manch­mal ein fes­ter Klum­pen, der sich jedoch mit einem Rühr­stab leicht wie­der auf­lö­sen lässt. Für das Anbrin­gen der Sta­cheln sprüht man die gefass­ten Kak­teen leicht mit Leim­was­ser ein und bestreut das Gan­ze vor­sich­tig z.B. mit einem Sieb mit dem „Sta­chel­pul­ver“.

Kakteen für die Krippe - Modell aus Kürbiskernen
Kak­teen für die Krippe

Kakteen für die Krippe – in Kürze

Kür­bis­ker­ne

  • Waschen, sorg­fäl­tig Schleim­haut ent­fer­nen, ver­schie­de­ne Kür­bis­se nut­zen (klei­ne, gro­ße, dicke)
  • Ober­fläch­lich trock­nen las­sen, mög­lichst inner­halb von 3 Mona­ten verarbeiten

Mon­tie­ren:

  • Am Fuß abschnei­den, für Ansatz des nächs­ten Ohres einstechen
  • manch­mal sind meh­re­re Ohren an glei­cher Stel­le ange­wach­sen, Verzweigung
  • kur­ze Drah­ten­den ein­ste­chen (Bin­de­draht); mit Kon­takt­kle­ber ein­strei­chen und mon­tie­ren, mit einem Trop­fen Heiß­kle­ber fixieren
  • nicht ent­mu­ti­gen las­sen, bre­chen manch­mal etwas ab

Fas­sen:

  • Leim­was­ser / Krei­de Grun­die­rung; ver­schie­de­ne Grün­tö­ne (Disper­si­ons­far­ben); Kak­teen sind sehr gleich­mä­ßig, nur am Fuss eines jeden Ohres etwas abdunkeln

Sta­cheln:

  • Säge­spä­ne (Klum­pen her­aus­sam­meln, Fein­gut aus­sie­ben, Mit­tel­frak­ti­on verwenden)
  • Fär­ben: Sil­ber­bron­ze und grün, sehr hell abtö­nen; Sprü­hen und Mischen – mon­tier­te Kak­teen mit Leim­was­ser ein­sprü­hen und mit dem Tee­sieb „Sta­cheln“ draufstreuen.

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