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Krippe bauen mit Styrodur

Sei­te 1 / 2 
(@de-nitzemer)

Lie­be Krippenfreunde,
auf dem Welt­krip­pen­kon­gress 2016 in Ber­ga­mo https://www.presepio.it/presepi-congresso-internazionale-di-bergamo-2016, konn­te man eine gro­ße Zahl von Diora­men­krip­pen bewun­dern, die die ita­lie­ni­schen Krip­pen­freun­de extra für den Kon­gress gebaut hat­ten. Eines der kenn­zeich­nen­den Merk­ma­ler aller die­ser Krip­pen war der groß­zü­gi­ge Ein­satz von extru­dier­tem Poly­sty­rol (XPS), bes­ser bekannt unter dem Mar­ken­na­men Sty­ro­dur ®. Bau­en mit Sty­ro­dur hat zumin­dest für die Diora­men­krip­pen die noch gar nicht so alte kata­la­ni­sche Tra­di­ti­on des Bau­ens mit Gips abge­löst. Natür­lich gibt es auch vie­le Misch­for­men, wo z.B. XPS nur als leich­te­res Unter­ma­te­ri­al für Gips genutzt wird. 

Das Bau­en mit XPS hat eini­ge Beson­der­hei­ten, so dass ich mich ent­schlos­sen habe, die schon etwas älte­re Anlei­tung zum Bau­en mit Sty­ro­dur aus unse­rem eng­lisch­spra­chi­gen Forum http://www.krippenverein.de/forum/viewtopic.php?f=9&t=403 ins Deut­sche zu holen und den Krip­pen­freun­den in aktua­li­sier­ter Form noch­mals vorzustellen.

Nicht jedes XPS ist für jeden Zweck im Krip­pen­bau gleich gut geeig­net. Für Hin­wei­se zu den Eigen­schaf­ten ver­schie­de­ner XPS – Sor­ten für den Krip­pen­bau ist in unse­rem Forum der Thread http://www.krippenverein.de/forum/viewtopic.php?f=3&t=336&hilit=XPS zu empfehlen.

Ich hof­fe, die­se klei­ne Schritt-für-Schritt ‑Anlei­tung wird dem einen oder ande­ren bei sei­nem Krip­pen­bau hilf­reich sein.

Zitat
The­men­star­ter Ver­öf­fent­licht : 10. Sep­tem­ber 2017 14:06
(@de-nitzemer)

Als Modell für unse­re klei­ne Schritt-für-Schritt ‑Anlei­tung haben ich eine klei­ne frän­ki­sche Krip­pe aus­ge­wählt, die ich in dem bekann­ten Krip­pen­buch von Jakob Ger­ner and Hans-Gün­ter Röh­rig “Krip­pen sel­ber bau­en” http://www.amazon.de/Krippen-schlichten-romantischen-Techniken-Beispiele/dp/B003K1G0AA/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1395863458&sr=8–1&keywords=gerner+r%C3%B6hrig gefun­den habe. Die Ori­gi­nal­an­lei­tung ist für 18cm – Figu­ren. Für die Krip­pe auf dem Pho­to habe ich 4cm – Figu­ren genutzt und die Krip­pe ent­spre­chend verkleinert. 

Bau­plä­ne für die ver­klei­ner­te Krip­pe stel­le ich ger­ne zur Ver­fü­gung. Wer inters­siert ist, schi­cke mir bit­te eine PN (per­sön­li­che Nach­richt) in die­sem Forum.

Die Grund­plat­te für die­se Krip­pe ist ein 8mm – Sperr­holz­brett­chen. Die Wän­de sind aus Sty­ro­dur (XPS), die Bal­ken sind klei­nen 6x6mm Holz­stäb­chen. Das Dach wur­de aus Well­pap­pe gemacht. Für die Farb­ge­bung habe ich Disper­si­ons­wand­far­be genutzt.

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Ant­wortZitat
The­men­star­ter Ver­öf­fent­licht : 10. Sep­tem­ber 2017 14:10
(@de-nitzemer)

Jede Genera­tiron von Krip­pen­bau­ern hat sei­ne eig­ne Tech­nik und sei­ne eige­nen Werk­stof­fe. Vor hun­dert Jah­ren waren dies vor allem Kno­chen­leim, Kalk und Lei­nen­tuch. Spä­ter kam Weich­fa­ser­plat­te, Sty­ro­por und Flie­sen­kle­ber. In den letz­ten zehn Jah­ren haben wir den Sie­ges­zug des XPS (extru­dier­tes Poly­sty­rol) beob­ach­ten kön­nen. XPS, bes­ser bekannt als Sty­ro­dur, wird regel­mä­ßig für die Iso­lie­rung von Kel­ler­wän­den genutzt. Man bekommt es prak­tisch in jedem Bau­markt oder beim Bau­ma­te­ri­al-Händ­ler. Für den Krip­pen­bau rei­chen in vie­len Fäl­len Rest­stü­cke, wie sie bei jeder grö­ße­ren Bau­stel­le abfallen.

Abbil­dung 2 zeigt eine Samm­lung von XPS-Pro­ben, die ich für eine klei­ne Unter­su­chung der Eig­nung ver­schie­de­ner XPS-Typen für den Krip­pen­bau http://www.krippenverein.de/forum/viewtopic.php?f=3&t=336&hilit=XPS zusam­men­ge­stellt habe. Für die meis­ten Auf­ga­ben sind alle Typen ver­wend­bar, daher emp­feh­le ich ein Sty­ro­dur mit nor­ma­ler Fes­tig­keit und einer fei­nen Poren­struk­tur. Am bes­ten geeig­net sind Plat­ten von ca. 6cm Stär­ke, da die Poren­struk­tur von der Dicke der Extru­si­ons­plat­te abhängt. 

XPS – Plat­ten schnei­det man am bes­ten mit einem Heiß­draht­schnei­der, wie er etwa für das Archi­tek­tur­stu­di­um ein­ge­setzt wird. Ich ver­wen­de einen PROXXON Ther­mo­Cut http://www.amazon.com/s/ref=nb_sb_noss?url=search-alias%3Daps&field-keywords=thermocut&rh=i%3Aaps%2Ck%3Athermocut (vgl Abb. 3) aber ande­re Gerä­te (z.B. Sty­ro­Cut 3D http://www.thecooltool.com/produktgruppe.php?language=e&pg_id=3) sind genau­so geeignet.

XPS – Plat­ten kön­nen auch mit der Band­sä­ge geschnit­ten wer­den. Für die Pro­ben in Abb. 2 bin ich so vor­ge­gan­gen. Man sieht die Säge­mar­ken an den Rän­dern. Dün­ne XPS-Plat­ten schnei­det man am bes­ten mit dem Mes­ser. Sowohl Säge als auch Mes­ser müs­sen gut scharf sein, ansons­ten erzeugt man häss­li­che Reiß­spu­ren ent­lang des Schnit­tes. Lei­der macht XPS ein Mes­ser sehr schnell stumpf, so dass man ent­we­der oft nach­schlei­fen oder ein Abbrech-Mes­ser nut­zen muss.

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Ant­wortZitat
The­men­star­ter Ver­öf­fent­licht : 10. Sep­tem­ber 2017 14:15
(@de-nitzemer)

Sobald wir ein geeig­ne­tes Stück XPS gefun­den haben, kön­nen wir die Wän­de für Stall und Scheu­ne zuschnei­den. I habe eine 6cm star­ke Plat­te Sty­ro­dur C© dafür ver­wen­det. Als ers­tes habe ich mit dem Ther­mo­cut 5mm dicke Schei­ben von der Sty­ro­dur-Plat­te geschnit­ten, vgl. Abbb. 4. Aus die­sen Schei­ben wer­den die Sei­ten­wän­de von Stall und Scheune.

Die Rück­wand der Scheu­ne muss deut­lich grö­ßer wer­den. Damit die Wand beim Schnei­den in der rich­ti­gen Posi­ti­on gehal­ten wird, wird das XPS-Stück mit einem grö­ße­ren Stück gestützt, vgl. Abb. 5. Man kann auch einen Win­kel aus dem Bau­markt nut­zen, wie er etwa für die Befes­ti­gung von Bal­ken ver­wen­det wird.

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Ant­wortZitat
The­men­star­ter Ver­öf­fent­licht : 10. Sep­tem­ber 2017 14:26
(@de-nitzemer)

Bei dün­nen Stü­cken wie den Wän­den die­ser klei­nen Krip­pe wer­den nur die Par­al­lel­schnit­te mit dem Ther­mo­cut gemacht. Alle ande­ren Schnit­te macht man bes­ser mit einem schar­fen Mes­ser. Um sicher zu stel­len, dass alle Schnit­te recht­wink­lig erfol­gen neh­me ich ent­we­der einen Zim­mer­manns­win­kel, vgl. Abb. 6, oder ein­fach ein Geo­drei­eck, wie man es aus der Schu­le kennt. In jedem Fall muss man das Mes­ser sanft durch das XPS zie­hen, sonst gibt es häss­li­che Ris­se und Gra­te ent­lang der Schnittkante. 

Auf der Vor­der­sei­te des Stalls ist die Stall­tür für die Scha­fe – oder anders Vieh – und die Luke für das Heu­la­ger im Ober­ge­schoss. Zunächst muss man dafür die Mit­te der Vor­der­sei­te ermit­teln und dann mit einem spit­zen Blei­stift Tür und Luke ein­zeich­nen. Zum Schluss schnei­det man bei­des wie­der mit einem schar­fen Mes­ser aus. 

Die Tür ist 4cm hoch und 1,6cm breit. Die Luke misst 1.3x1.3cm. Die Höhe der Tür ent­spricht bei hei­mat­li­chen Krip­pen der Grö­ße einer ste­hen­den Figur – meis­tens kann wie hier der Hei­li­ge Josef als Maß die­nen. Im wah­ren Leben wäre die Tür grö­ßer als eine Per­son, denn man möch­te sich ja nicht den Kopf sto­ßen. In Krip­pen mache ich die Türen (und die Häu­ser) dage­gen lie­ber etwas klei­ner. Dies hat meh­re­re Effek­te. Zunächst wird das gan­ze Gebäu­de etwas klei­ner und braucht nicht soviel Platz in der Stu­be. Es ist nie genug Platz auf der Krip­pe, um einen ech­ten Groß­bau­ern­hof zu bau­en. Außer­dem wur­de das gött­li­che Kind in Armut gebo­ren. Häu­ser von armen Leu­ten sind nie­mals groß­zü­gig. Man muss sich bücken, um hin­ein­zu­ge­hen. Zum Drit­ten sol­len in einer Krip­pe die Figu­ren betont wer­den, nicht die Gebäu­de. Krip­pen sind daher nie­mals maß­stäb­lich. Die Figu­ren soll­ten viel­mehr immer etwas zu groß für das Haus sein. Man darf es nur nicht über­trei­ben. Wenn der Hei­li­ge Josef aus der Dach­rin­ne trin­ken kann, ist das Haus zu klein 

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Ant­wortZitat
The­men­star­ter Ver­öf­fent­licht : 12. Sep­tem­ber 2017 07:56
(@de-nitzemer)

Die meis­ten Haus­halts­kle­ber sind nicht geeig­net, um XPS zu kle­ben. Sie ent­hal­ten orga­ni­sche Löse­mit­tel, wel­che das Poly­sty­rol auf­lö­sen würden.

Ganz nor­ma­ler Weiß­leim klebt XPS dage­gen pri­ma. Aller­dings trock­net er lang­sa­mer als bei Holz oder Papier, da das Was­ser nicht in den Kunst­stoff­schaum ein­zie­hen kann. Man muss also dar­auf ach­ten, dass man im nas­sen Zustand die Tei­le gut anein­an­der befes­tigt. Für gro­ße Tei­le neh­me ich dün­ne Nägel, wel­che in das XPS gedrückt wer­den, biss sie unter der Ober­flä­che ver­schwin­den. Für klei­ne Tei­le neh­me ich ein­fach Steck­na­deln, vgl. Abb. 8. 

Beim Fixie­ren her­vor­quel­len­den Weiß­leim soll­te man unbe­dingt abwi­schen, solan­ge er noch feucht ist. Der Kle­ber wird sonst ein Pro­blem, wenn wir die Wän­de zu gestal­ten begin­nen. Beson­ders kri­tisch ist das an den Stel­len, an denen der Putz abge­brö­ckelt ist, vgl. Abb. 1.

Die Nadeln müs­sen ent­fernt wer­den, sobald der Leim ange­zo­gen hat. Dazu dreht man die Nadel zunächst um ihre eige­ne Ach­se und zieht sie anschlie­ßend her­aus. Der Holz­leim wird zumeist auch die Nadel mit ankle­ben. Durch das Dre­hen wird der Kon­takt zwi­schen Nadel und Leim zer­bro­chen. Danch lässt sich die Nadel ein­fach ent­fer­nen. Falls es nicht gelingt die Nadel vom Leim zu tren­nen, reißt man beim Her­aus­zie­hen der Nadel gro­ße Stü­cke XPS mit her­aus und kann dem Teil kräf­ti­ge Schä­den zufügen.

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Ant­wortZitat
The­men­star­ter Ver­öf­fent­licht : 13. Sep­tem­ber 2017 18:00
(@de-nitzemer)

Ganz egal, wie sorg­fäl­tig man die Wän­de posi­tio­niert hat und wie vor­sich­tig man beim Arbei­ten ist, beim Trock­nen wer­den die Wän­de sich ver­schie­ben. Der Weiß­leim ent­wi­ckelt beim Trock­nen eine gewal­ti­ge Kraft und kann Tei­le ziem­lich ver­for­men. Daher muss man immer die Bau­tei­le anschlie­ßend noch­mal auf Maß brin­gen und über­schüs­si­ges Mate­ri­al entfernen.

In unse­rem Fall sind auf der Front- und die Rück­sei­te die Kopf­sei­ten der Sei­ten­wän­de sicht­bar. Um eine gera­de Front zu bekom­men, schleift man das Bau­teil auf einem Brett­chen mit auf­ge­kleb­ten Sand­pa­pier (Korn 120 oder fei­ner). Dabei ist zu beach­ten, dass XPS ein Iso­lier­ma­te­ri­al ist, d.h. Wär­me nicht gut trans­por­tiert. Dage­gen schmilzt es schon bei „nied­ri­gen“ Tem­pe­ra­tu­ren. Des­we­gen muss man XPS immer mit der Hand schlie­fen. Jede Maschi­ne wür­de viel zu viel Mate­ri­al abtra­gen und zu viel Wär­me erzeu­gen. Außer­dem soll­te man vor- und rück­wärts – Bewe­gun­gen ver­mei­den. Am bes­ten zieht man das Werk­stück sanft auf dem Sand­pa­pier her­un­ter, hebt es ab und setzt es an den Start­punkt zurück. 

Um schö­ne ebe­ne Flä­chen zu bekom­men, ver­wen­de ich ein hand­ge­mach­tes Schleif­brett. Dazu muss man ledig­lich ein geeig­ne­tes Stück Schleif­lei­nen (nicht Schleif­pa­pier) auf das rich­ti­ge Maß brin­gen und es auf ein ebe­nes Stück Holz kle­ben Die­sen Trick habe ich aus dem Schnitz­buch von E. Ellen­wood (http://www.amazon.de/Complete-Book-Woodcarving-Everything-Master/dp/1565232925/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1396901661&sr=8–1&keywords=ellenwood+carving) gelernt. Man fin­det dort auch noch vie­le ande­re nütz­li­che Hin­wei­se für den Krip­pen­bau. Lei­der ist das Buch nur in Eng­lisch erhältlich.

Die Sei­ten­wän­de haben wegen der Dach­schrä­ge eine Nei­gung. Daher müs­sen Vor­der- und Rück­wand auf die­se Nei­gung ange­passt wer­den. Für die­sen Schritt ver­wen­de ich ein Mes­ser, wel­ches ich flach auf die Sei­ten­wand lege und dann mit einem lan­gen, gleich­mä­ßi­gen Schnitt durch die über­ste­hen­de Wand zie­he. Wich­tig beim Schnei­den von XPS ist, dass man immer zie­hend schnei­det und kei­nes­falls stumpf in das Mate­ri­al hineindrückt.

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Ant­wortZitat
The­men­star­ter Ver­öf­fent­licht : 14. Sep­tem­ber 2017 20:24
(@wilhelm-luecking)

Hal­lo de Nitzemer,

eine sehr gute und umfang­rei­che Anleitung!

Vie­len Dank!!

Ant­wortZitat
Ver­öf­fent­licht : 15. Sep­tem­ber 2017 12:55
(@de-nitzemer)

Lie­ber Wilhelm, 

vie­len Dank für Dein Lob und lie­be Grü­ße nach Osna­brück. Die Anlei­tung wird auch noch ein wenig wei­ter­ge­hen, denn wir brau­chen ja noch Fass-Bier 

Ant­wortZitat
The­men­star­ter Ver­öf­fent­licht : 16. Sep­tem­ber 2017 09:49
(@de-nitzemer)

Ein per­fek­tes Gebäu­de ohne Bau­schä­den passt nicht auf eine Krip­pe. Weder bie­tet es etwas für‘s Auge, noch ent­spricht es der bibli­schen Erzäh­lung. Im Lukas-Evan­ge­li­um (2. Kapi­tel, https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/einheitsuebersetzung/bibeltext/bibel/text/lesen/stelle/52/20001/29999/ ) lesen wir, dass Jesus in Armut gebo­ren wur­de. Der Stall muss dies wider­spie­geln. Unser frän­ki­scher Krip­pen­stall wird spä­ter ver­putzt wer­den. Bei die­ser Bau­wei­se sind abbrö­ckeln­der Putz und dar­un­ter sicht­bar gewor­de­ne Zie­geln ein typi­sches Zei­chen von Armut und schlech­ten Wohn­be­din­gun­gen. Sol­che Stel­len fin­den sich typi­scher­wei­se an Haus­ecken und unter schad­haf­ten Stel­len im Dach, wo der Putz oft nass wird.

Für die Zie­geln brau­chen wir nicht mehr als einen spit­zen Blei­stift. Zunächst muss man eine unru­hi­ge Linie um den „beschä­dig­ten“ Bereich zie­hen. Anschlie­ßend zieht man die hori­zon­ta­len Fugen, dann die ver­ti­ka­len. Dabei müs­sen die Zie­gel immer „auf Luk­ke“ gesetzt wer­den, so dass jeder Zie­gel die dar­un­ter lie­gen­de senk­rech­te Fuge wie ein Dach über­deckt. Die Fugen müs­sen tief in das XPS gezo­gen wer­den, damit sie auch nach dem Grun­die­ren und „Fas­sen“ noch gut sicht­bar sind. Disper­si­ons­far­be setzt eine klei­ne Fuge schon mal zu. Auch hier gilt, dass man den Blei­stift zie­hend durch das XPS bewe­gen muss, vgl. Abb. 11, sonst macht man sich das Bau­teil kaputt. 

Zum Schluss grun­die­ren wir die Schad­stel­len mit einer dunk­len Disper­si­ons­far­be. Ich ver­wen­de hier schwar­ze Abtön­far­be, die ich mit einem har­ten Pin­sel tief in die Fugen hin­ein­ar­bei­tet, bis kein XPS mehr zu sehen ist.

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Ant­wortZitat
The­men­star­ter Ver­öf­fent­licht : 16. Sep­tem­ber 2017 09:54
(@de-nitzemer)

Stall und Scheu­ne sol­len mit einem gro­ben Rau­h­putz ver­putzt wer­den, wie er für Bau­ern­hö­fe in Süd­deutsch­land typisch ist. Süd­eu­ro­päi­sche Län­der haben eher glatt ver­putz­te Häu­ser. Bei dem sehr klei­nen Maß­stab die­ser Krip­pe kön­nen wir kei­nen rich­ti­gen Putz auf­brin­gen. Statt­des­sen nut­zen wir eine Varia­ti­on der Metho­de von Her­bert Dem­har­ter http://www.amazon.de/Kunstvolle-Minikrippen-Detaillierte-Anleitungen-Wort/dp/3426647400/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1397678750&sr=8–1&keywords=minikrippen, die er für Mini­krip­pen mit 2cm-Figu­ren ent­wi­ckelt hat. 

Für „Dem­har­ter-Mör­tel“ ver­wen­de ich Fas­sa­den-Far­be, vgl. Abb. 12, die ich mit fei­nem Schleif­staub mische, wie man es beim Schlei­fen mit Sand­pa­pier erhält. Ich samm­le immer den Schleif­staub von mei­nem Band­schlei­fer, man kann aber auch ein­fach die fei­ne Frak­ti­on aus ganz gewöhn­li­chem Säge­mehl her­aus­sie­ben. Für die­se Krip­pe mische ich etwa zwei Löf­fel wei­ße Disper­si­ons­far­be mit Schleif­staub. Man star­tet mit einem Löf­fel Schleif­staub und mischt all­mäh­lich mehr Staub in die Far­be, bis man eine pastö­se Mas­se enthält.

Um einem Rau­h­putz zu erhal­ten, addie­re ich zum Schluss noch ein biss­chen gro­bes Säge­mehl, vgl. Abb. 12. Mit die­ser Mischung bema­le ich anschlie­ßend alle Tei­le der Wän­de, die Putz tra­gen sol­len, vgl. Abb 13. Die Innen­wän­de des Stalls wer­den eben­falls weiß gestri­chen, damit spä­ter kei­nes­falls mehr XPS sicht­bar bleibt – so etwas könn­te die gan­ze Krip­pe verderben.

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Ant­wortZitat
The­men­star­ter Ver­öf­fent­licht : 17. Sep­tem­ber 2017 13:47
(@de-nitzemer)

Bevor wir uns an das Fach­werk machen, müs­sen noch die Zie­gel­stei­ne gefärbt wer­den. Man könn­te das auch noch erle­di­gen, nach­dem die Krip­pe voll­stän­dig zusam­men­ge­baut ist, aber jetzt kann man die ver­schie­de­nen Tei­le noch viel bes­ser errei­chen als spä­ter, wenn Stall und Scheu­ne fer­tig mon­tiert sind.

Für die Stei­ne ver­wen­den wir die „Dun­kel-nach-Hell“ Tech­nik. Das geht beson­ders gut mit Voll­ton-Abtön­far­ben, wie man sie für Wän­de ver­wen­det. Als Palet­te ver­wen­de ich einen klei­nen wei­ßen Por­zel­lan­tel­ler, den ich auf einem Floh­markt gefun­den habe, vgl. Abb. 14. Wand­far­be haf­tet nicht gut auf dem Por­zel­lan und man kann die Palet­te spä­ter pri­ma rei­ni­gen, indem man sie über Nacht in kal­tem Was­ser ein­weicht und anschlie­ßend die ein­ge­weich­te Far­be abbürstet. 

Zie­geln in Deutsch­land und auch in Tirol wer­den meis­tens rot gebrannt. Daher brin­ge ich zuerst einen roten Zwi­schen­grund auf. Dazu neh­me ich sehr wenig Far­be auf einen Bors­ten­pin­sel und strei­che ihn an einem Stück Zei­tungs­pa­pier ab. Mit die­sem fast tro­cke­nen Pin­sel gehe ich dann über die hoch­ste­hen­den Tei­le der Zie­gel. Es soll­te kei­ne rote Far­be in den Grund der Fuge hin­ein kom­men, vgl. Abb. 14-links. Dadurch bekommt man einen schö­nen 3D-Effekt.

Als nächs­tes neh­me ich mit der sel­ben Metho­de ande­re typi­sche Ziegl­tö­ne wie Oran­ge, Ocker oder Oxid­braun auf und ver­tei­le sie unre­gel­mä­ßig über die Zie­gel­stei­ne. Wenn nötig wird auch noch wie­der rot ergänzt. Abb. 14-Mit­te zeigt das Endergebnis.

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Ant­wortZitat
The­men­star­ter Ver­öf­fent­licht : 18. Sep­tem­ber 2017 20:06
(@de-nitzemer)

Ein höl­zer­nes Fach­werk stützt das Scheu­nen­dach für unse­re Krip­pe, Alte Bal­ken an einer offe­nen Scheu­ne sind jah­re­lang Son­ne und Regen aus­ge­setzt gewe­sen. Man wird en Zahn der Zeit erken­nen kön­nen: blas­se Far­ben, tie­fe Ris­se und feuch­te Stel­len. Also wird auch das Fach­werk auf unse­rer Krip­pe die­se Zei­chen der Zeit aufweisen.

Bei 4cm – Figu­ren wer­den die Bal­ken ca. 8mm stark sein. Ich ver­wen­de ger­ne die Stä­be von Sil­ves­ter­ra­ke­ten, wie man sie in Deutsch­land am Neu­jahrs­mor­gen in gro­ßer Zahl fin­den kann. Man kann sie natür­lich auch mit einer Kreis­sä­ge aus einem Brett her­aus­sä­gen …. Bloß gut auf die Fin­ger aufpassen. 

Als ers­ten Schritt im Alte­rungs­pro­zess wir das Holz mit einer Draht­bürs­te gebürs­tet. Ich ver­wen­de eine Draht­bürs­te, die ich in die Bohr­ma­schi­ne ein­span­nen kann, vgl. Abb. 15. Es geht aber natür­lich auch mit einer ein­fa­chen Draht­bürs­te, die mit der Hand geführt wird. Die Draht­bürs­te reißt das wel­che Som­mer­holz aus dem Holz­stab. Das här­te­re Win­ter­holz bleibt erhal­ten. Auf die­se Wei­se ent­steht die typi­sche rau­he Ober­flä­che von altem Holz.

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Ant­wortZitat
The­men­star­ter Ver­öf­fent­licht : 21. Sep­tem­ber 2017 21:39
(@de-nitzemer)

Als nächs­tes muss das gebürs­te­te Holz gebeizt wer­den. Bei einer typi­schen deut­schen Fach­werk­scheu­ne wird man ent­we­der Eiche-Mit­tel oder Wal­nuß als Far­be wäh­len. Ich ver­wen­de i.d.R. was­ser­ba­sier­te Bei­ze, die man ent­we­der fer­tig in Fla­schen oder als Pul­ver zum Sel­ber­an­set­zen in klei­nen 25g Tüt­chen kau­fen kann. Die Bei­ze wird in kochen­dem Was­ser auf­ge­löst. Nach dem Erkal­ten kann man sie wie einen Lack auftragen. 

Bei­ze ent­hält ein sehr fei­nes Pig­ment und erzeugt einen semi-tran­pa­ren­te Ober­flä­che, wel­che die Holz­an­mu­tung des Bau­teils erhält. Bei­ze dringt in das Holz ein und bil­det kei­nen Film auf der Ober­flä­che. Man kann die Farb­ge­bung anpas­sen, indem man meh­re­re Bei­zen über­ein­an­der auf­trägt. Die Grund­far­be des ers­ten Auf­trags bleibt dabei erhal­ten. Wenn man nur sehr wenig Bei­ze auf­tra­gen möch­te, emp­fiehlt es sich zunächst kla­res Was­ser zu strei­chen und dann Bei­ze auf das nas­se Holz zu bringen.

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Ant­wortZitat
The­men­star­ter Ver­öf­fent­licht : 22. Sep­tem­ber 2017 21:45
(@de-nitzemer)

Die klei­ne Scheu­ne auf unse­rer Krip­pe wird die Hei­li­ge Fami­lie beher­ber­gen. Sie wird getra­gen von zwei höl­zer­nen Pfos­ten und einem lan­gen Bal­ken über dem Ein­gang. Auf der lin­ken Sei­te liegt der Trag­bal­ken auf einem der bei­den Pfos­ten auf. Auf der rech­ten Sei­te liegt der Bal­ken in einer Aus­spa­rung in der Wand. Da die Wand ein wenig schräg ist, muss man die Aus­spa­rung ein wenig anpas­sen. Der lin­ke der drei Spar­ren, die das Dach tra­gen, ist ein wenig kür­zer als die ande­ren bei­den. Dies macht die Dach­form etwas inter­es­san­ter als eine gra­de Kan­te. Ich habe die­se klei­nen Tei­le, mit der Leis­ten­sche­re geschnit­ten, aber eine Fein­sä­ge funk­tio­niert genau­so gut. Kle­ben geht am bes­ten mit Weiß­leim. Abb. 17 zeigt die Holz­kon­struk­ti­on von unten.

Anstel­le von Dach­lat­ten, die bei die­sem Maß­stab sehr dünn gewor­den wären, nut­ze ich für die­se Krip­pe ein dün­ne XPS-Plat­te, um die Spar­ren zu über­brü­cken und die Zie­gel zu tra­gen. Um dem XPS das Aus­se­hen von Holz zu geben, muss etwas Arbeit inves­tiert wer­den. Zunächst wer­den schma­le Ril­len in das XPS geschnit­ten, wie man sie bei ange­grif­fe­nem Holz fin­det. Dann zieht man vor­sich­tig mit der Draht­bürs­te ent­lang der „Faser“, vgl. Abb. 18. Dabei muss man dar­auf ach­ten, die Bürs­te nur zu zie­hen und nicht zu drü­cken, da man sonst das dün­ne XPS schä­di­gen wür­de. Die Dräh­te der Draht­bürs­te sind ver­gleichs­wei­se steif und wür­de gro­ße Stü­cken XPS aus der Ober­flä­che reißen.

Abb. 19 zeigt eine Nah­auf­nah­me der Dach­un­ter­sei­te. Die Farb­ge­bung wur­de mit der­sel­ben Hell-auf-Dun­kel Tech­nik vor­ge­nom­men, wie sie bereits für die Zie­gel ver­wen­det wor­den ist.

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The­men­star­ter Ver­öf­fent­licht : 23. Sep­tem­ber 2017 11:22
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